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| 003 | 2005-04-23 |
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Source : www.bdv-bg.org/material/das_schonste_deutsche_Wort.doc (as per April 23, 2005), published by Goethe-Institut Sofia

Das schönste deutsche Wort
„Habseligkeiten", „Geborgenheit", „lieben", „Augenblick", „Rhabarbermarmelade", „Libelle"
Wir möchten alle bulgarischen Teilnehmer und Teilnehmerinnen über die Prämierung der Gewinner informieren, die sich so zahlreich am internationalen Wettbewerb „Das schönste deutsche Wort" beteiligt haben, den der Deutsche Sprachrat unter der Projektleitung des Goethe-Instituts ausgeschrieben hatte.
Seit dem 24.10.04 liegen die Ergebnisse vor, das Rätseln um das „schönste deutsche Wort" ist zu Ende. Während einer festlichen Live-Übertragung im WDR-Fernsehen wurden die Sieger bekannt gegeben. Aus den aus der ganzen Welt eingetroffenen Einsendungen wurden in einer Jury, der unter anderem die Präsidentin des Goethe-Instituts, Frau Prof. Jutta Limbach, der Sänger Herbert Grönemeyer, die Schriftsteller Uwe Timm und Volker Finke angehörten, die schönsten deutschen Wörter ausgewählt.
Ausschlaggebend für den Sieg war die Stimmigkeit und Überzeugungskraft der Begründung für die Wortwahl. Für Doris Kalka aus Nürtingen, die den ersten Preis gewonnen hat, „bezeichnet „Habseligkeiten" nicht den Besitz, nicht das Vermögen eines Menschen, wohl aber seine Besitztümer, und es tut dies mit einem freundlich-mitleidigen Unterton, der uns den Eigentümer dieser Dinge sympathisch und liebenswert erscheinen lässt...."
Die „Habseligkeiten" dürfen sich fortan mit dem Titel „schönstes deutsches Wort" schmücken.
Insgesamt 22.838 Vorschläge aus 111 Ländern gingen beim Deutschen Sprachrat in der Zeit vom 4.Mai bis zum 1.August 2004 ein. Rund ein Viertel der Einsendungen kam aus dem Ausland, die meisten aus den USA, gefolgt von der Schweiz und Österreich und an 7. Stelle Bulgarien, vgl. Länderbeteiligung + meistgenannte Wort.
Unangefochtener Spitzenreiter unter den Einsendungen weltweit war dabei das Wort „Liebe", das die Jury als „lieben" auf den dritten Platz wählte: „Dieses Wort ist für mich das schönste deutsche Wort, weil es nur ein „i" vom Leben entfernt ist", begründete Gloria Bosch aus Spanien ihre Wahl.
Wir möchten uns im Namen des Goethe-Instituts bei allen bulgarischen Beteiligten herzlich bedanken und hoffen, dass Sie – auch wenn keine Gewinner für Bulgarien ausgewählt wurden – ein wenig Spaß am Wettbewerb hatten und Sie einen Impuls erhalten haben, die Einmaligkeit eines Wortes, seine Ausdruckskraft, seinen Klang und Ihre ganz persönlichen Gründe für die Auswahl eines Wortes zu reflektieren.
Habseligkeiten 1. Platz
Gewinner des Wettbewerbs »Das schönste deutsche Wort«
Das Wort bezeichnet nicht den Besitz, nicht das Vermögen eines Menschen, wohl aber seine Besitztümer, und es tut dies mit einem freundlich-mitleidigen Unterton, der uns den Eigentümer dieser Dinge sympathisch und liebenswert erscheinen lässt.
Typischer Vertreter dieser Klasse von Eigentümern ist etwa ein 6-jähriges Kind, das den Inhalt seiner Hosentaschen ausbreitet, um sich am Reichtum, an der Vielfalt der geliebten Sammlung zu erfreuen.
Oder das Wort bezeichnet – die mehr vom Mitleid geprägte Variante – den spärlichen Besitz dessen, der sein Zuhause verliert und sein karges Hab und Gut für alle sichtbar transportieren muss, zu welchem Unterschlupf auch immer.
Nur schwer lässt sich das Wort im Singular vorstellen: Eine Habseligkeit? – So einfach ist die Seligkeit nicht zu erringen.
Vielfältig und wie zufällig muss die Ansammlung von auf den ersten Blick wertlosen Gegenständen sein, um das Prädikat der Habseligkeiten zu verdienen. Dabei muss sie aber zugleich für ihren Besitzer einen Wert darstellen, der sich aus seinem individuellen seelischen Erleben ergibt und für Außenstehende nicht leicht erkennbar ist.
Lexikalisch gesehen verbindet das Wort zwei Bereiche unseres Lebens, die entgegengesetzter nicht sein könnten: das höchst weltliche Haben, d.h. den irdischen Besitz, und das höchste und im irdischen Leben unerreichbare Ziel des menschlichen Glücksstrebens: die Seligkeit.
Diese Spannung ist es, die uns dazu bringt, dem Besitzer der Habseligkeiten positive Gefühle entgegenzubringen, wie sie gemeinhin den Besitzern von Vermögen und Reichtümern oder Eigentümern von Krempel, Gerümpel und Altpapier versagt bleiben.
Und wo sonst der Weg zum spirituellen Glück, zur Seligkeit also, eher in der Abwendung von weltlichen Gütern oder doch zumindest in der inneren Loslösung aus der Abhängigkeit von Weltlichem gesehen wird, so fassen wir hier die Liebe zu Dingen, allerdings zu den kleinen, den wertlosen Dingen auf als Voraussetzung zum Glück.
Doris Kalka - Deutschland
Geborgenheit 2. Platz
Mein schönstes deutsches Wort lautet: »Geborgenheit«, weil es kein Wort in meiner Muttersprache (ich komme aus der Slowakei) gibt, das die genaue Bedeutung dieses Wortes enthalten würde.
Ich liebe dieses Wort, weil ich kein anderes Wort kenne, mit dem man ausdrücken könnte, dass man sich so geborgen, gut, eingelebt … irgendwo fühlt.
In meiner Sprache kann man die Gefühle der Geborgenheit nicht in Worte fassen. Das macht aus diesem Wort mein Lieblingswort der deutschen Sprache.
Annamaria Musakova - Slowakei
lieben 3. Platz
Dieses Wort ist für mich das schönste deutsche Wort, weil es nur ein »i« vom Leben entfernt ist.
Gloria Bosch - Spanien
Augenblick 4. Platz
Mein schönstes deutsches Wort lautet: »Augenblick«, weil es um eine subversive Idee zu lang ist für das, was es besagt, und so viel sinnlicher klingt als ein »Moment«.
Sabine Brenner - Schweiz
Rhabarbermarmelade 5. Platz
Ich glaube, viele haben diesen Wettbewerb nicht verstanden.
Es geht doch nicht darum, die schönste Sache zu wählen, sondern das schönste Wort zu prämieren.
Kinderlachen ist etwas Wunderschönes. Aber was für ein beknacktes Wort!
Man stelle sich jemanden vor, der kein Wort Deutsch spricht.
Jetzt sage man zu ihm in einem etwas lauteren Tonfall »Kinderlachen«. Verschreckt wird er das Weite suchen! Auch Liebe, Glück und Heimat sind toll.
Die Wörter dazu aber eher einfallslos und nicht wirklich schöner als »Hiebe«, »Mücke« oder »Fahrrad«. Mein derzeitiges Lieblingswort ist »Rhabarbermarmelade«. Was für ein Klang!
Und welches Wohlgefühl umfällt mich, wenn ich Sonntag morgens zu meinem Schatz sagen kann: »Barbara, reich mir doch bitte die Rhabarbermarmelade.« – Der Tag ist gerettet!
Frank Niedermeyer - Deutschland
Libelle
Gewinner des Wettbewerbs »Das schönste Wort der Kinder«
(Kid-Lit-Cologne + WDR-Studio)
Mein schönstes deutsches Wort ist »Libelle«, weil ich Wörter mit dem Buchstaben »l« liebe und dieses Wort sogar drei davon hat. Das Wort lässt sich irgendwie so leicht sprechen. Das flutscht so auf der Zunge.
Aber ich finde auch, dass Libellen so schön flattern und genau das erkennt man auch in dem Wort. Das Wort macht, dass man diese Tiere von Anfang an mag und keine Angst vor ihnen hat. Würde das Tier »Wutzelkrump« oder so heißen, dann wäre das nicht so. Ich wüsste gerne, wer sich dieses Wort ausgedacht hat. Der Mensch war bestimmt sehr freundlich.
Weil das Wort das freundlichste ist, das ich kenne.
Sylwan Wiese, 9 Jahre - Deutschland
»Das schönste deutsche Wort«
Einsendungen insgesamt: 22.838 (& ca. 600 Kinderbeiträge)
Ca. 25% davon aus dem Ausland (aus 111 Ländern)
Meistgenannten Wörter in Deutschland
Liebe
Gemütlichkeit
Sehnsucht
Heimat
Kindergarten
Freiheit
gemütlich
Frieden
Sonnenschein
Schmetterling
Meistgenannten Wörter Ausland
Liebe
Gemütlichkeit
Vergissmeinnicht
Länderbeteiligung (insgesamt 111 Länder) + meistgenanntes Wort
USA Gemütlichkeit
Schweiz Liebe
Österreich Liebe
Polen Vergissmeinnicht
Italien Sehnsucht
Slowenien Liebe
Bulgarien Liebe
UK Schmetterling
Finnland Vergissmeinnicht
Südkorea Mutter
Frankreich Sehnsucht
Niederlande Fingerspitzengefühl